Nachhaltigkeit in der Teeproduktion

30. Juni 2020Elisa Fagone
Teeproduktion, Teeernte

Noch ist es ohne Probleme möglich, handwerklich produzierten Tee zu trinken. Die Frage ist nur: Wie lange noch? Was können wir tun, um eine nachhaltige und ökonomisch sinnvolle Teeproduktion auch in Zukunft sicherzustellen?

Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit sind schon für produzierende Unternehmen in der westlichen Welt eine große Herausforderung. Stellen wir uns nur einmal vor, was ein Teebauer aus Nepal bewältigen muss. Dieser Artikel soll vor allem auf die ökonomischen Herausforderungen des nachhaltigen Teeanbaus eingehen.

Was ist Nachhaltigkeit?

Zuerst muss man sich fragen: Was bedeutet „Nachhaltigkeit“ überhaupt? Der Ökonom Herman Daly, einer der Begründer der ökologischen Ökonomie[1], hat dafür drei Grundregeln formuliert[2]:

  1. Die Abbaurate erneuerbarer Ressourcen darf die Regenerationsrate dieser Ressourcen nicht übersteigen.

  2. Das Niveau der Emissionen darf nicht höher liegen als die Assimilationskapazität der Umwelt.

  3. Der Verbrauch nicht erneuerbarer Ressourcen muss durch eine entsprechende Erhöhung erneuerbarer Ressourcen kompensiert werden.

Bezogen auf die Teeindustrie bedeutet das ganz einfach: Ein Teegarten muss in der Lage sein, Produkte herzustellen, ohne dabei seine eigene Lebensgrundlage zu zerstören. Wird der Boden auf Dauer übernutzt – etwa durch übermäßigen Einsatz synthetischer Düngemittel –, kann er langfristig an Fruchtbarkeit verlieren.

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Nachhaltigkeit in der Teeindustrie – wie sieht die Zukunft aus?

Die Teeindustrie ist aufgrund des steigenden Bedarfs in den letzten Jahrhunderten rasant gewachsen und hat sich von einer lokalen Industrie zu einem internationalen Geschäft mit hoher Wettbewerbsdichte entwickelt. Die Überflutung des Marktes mit sehr günstigen Tees setzt die Branche massiv unter Druck. Auf vielen Teegärten lastet ein enormer Preisdruck. Das Angebot aus Ländern wie Sri Lanka und Kenia ist im Bereich der günstigen Tees immens. Das Resultat ist ein Preisverfall – einfache Angebots- und Nachfrageökonomie.

Tee hat sich zu einer gefragten internationalen Handelsware entwickelt, die denselben ökonomischen Gesetzen folgt wie viele andere Güter. Der Anbieter mit dem geringsten Preis ist meist am schnellsten im Verkauf – ganz unabhängig von der Qualität. Das Ergebnis: Viele Teegärten arbeiten kaum noch kostendeckend.

Verschärft wird die Lage zudem dadurch, dass gerade in ländlichen Regionen die jungen Generationen in die Städte abwandern. In vielen Ländern fehlt es schlicht an Arbeitskräften. In Taiwan z. B. greifen manche Teebauern bereits auf Arbeitskräfte aus dem Ausland zurück, weil sich vor Ort kaum noch jemand für die Feldarbeit findet. Ähnlich wie in Japan werden hier künftig wohl Erntemaschinen eingesetzt werden müssen – langfristig gibt es kaum Alternativen.

An den steilen Berghängen Indiens habe ich mit eigenen Augen verwilderte Teefelder gesehen – ein trauriger Anblick, der leider wohl keine Ausnahme bleiben wird.

Tee Produktion Nachhaltigkeit

Ein harter Kampf für die Kleinen. Was kann man tun?

Dieses ökonomische Phänomen betrifft vor allem kleine Teegärten – von dort beziehen auch wir unsere Tees. Diese familiengeführten Betriebe produzieren oft hochwertige Spitzentees, allerdings in geringen Mengen und mit konstanten Lohnkosten. Große Produzenten, die vor allem CTC-Tees von geringerer Qualität herstellen, profitieren hingegen von Skaleneffekten.

Eine Lösung für kleine Produzenten kann der Zusammenschluss zu Bauernkooperativen sein. So werden sie auch auf internationalen Märkten relevanter. Solche Kooperativen finden sich etwa in Nepal, im Süden Indiens oder in den Bergen Taiwans. Die Bauern sind meist nur für das Ernten zuständig; die Weiterverarbeitung erfolgt in gemeinschaftlichen Teefabriken. Im besten Fall werden die Gewinne gerecht verteilt, und die Landwirte haben zugleich geringe Fixkosten.

Deshalb kaufen wir unsere Tees, wo immer es möglich ist, bei kleinen Teegärten ein. Wir lieben Tee – und wir wünschen uns, dass Menschen und Natur auch in Zukunft gut vom Teeanbau leben können. Langfristig ist Nachhaltigkeit für uns keine Option, sondern ein Muss.

Wir möchten dir hochwertigen Tee anbieten und damit auch kleine und unabhängige Teebauern unterstützen. Dadurch können wir uns mit Stolz die Friends of Tea nennen.

Quellen

  1. O’Neill, D. W.: Herman E. Daly (1938–2022). Nature Sustainability (2022). nature.com
  2. Daly, H. E.: Toward some operational principles of sustainable development. Ecological Economics 2 (1990), S. 1–6 (Auszug, Washington State University). public.wsu.edu

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