Der Einfluss von Corona auf den Darjeeling First Flush

30. Juni 2020Elisa Fagone
Teeernte

Ein Rückblick auf das Frühjahr 2020: Die COVID-19-Pandemie hatte auch die Teewelt erreicht. Ab dem 24. März 2020 befand sich Indien im Lockdown.[1] Die Produktion in bedeutenden Teeregionen wie Darjeeling und Assam war stark beeinträchtigt. Wie ging es den Menschen in Indien – und wie sehr litt der Darjeeling First Flush unter der Situation? Diesen Beitrag haben wir damals geschrieben, er gibt unseren Kenntnisstand aus dieser Zeit wieder.

Darjeeling First Flush


Hohe Ernteausfälle in Darjeeling

Die Lage in Indien sah damals nicht gut aus. Um die Ausbreitung der Krankheit einzudämmen, hatte die indische Regierung strenge Ausgangssperren verhängt. Eigentlich hätten zu dieser Zeit die begehrten Frühjahrstees gepflückt werden sollen – doch auf den Feldern passierte kaum etwas. Zu groß war die Angst vor einer Ansteckung, zu streng waren die staatlichen Auflagen.

Laut unseren Partnern im Glenburn Tea Estate sollte der Lockdown in Darjeeling voraussichtlich bis Mitte Mai anhalten. Zwar wurde in dieser Zeit weiterhin Tee gepflückt und verarbeitet, jedoch nur in sehr geringen Mengen – mit stark reduzierter Belegschaft, um die strengen Hygieneregeln einzuhalten.[1]

Viele der jungen Blätter an den Teesträuchern waren inzwischen zu groß und zu hart, um daraus hochwertigen Tee zu produzieren. Ein Großteil der Frühjahrsernte ging verloren.[1] Wie groß die verfügbare Menge in jenem Jahr tatsächlich sein würde, ließ sich damals noch nicht sagen – wir rechneten aber mit gravierenden Einbußen. Eine Erhöhung der Einkaufspreise für indische Tees war die erwartbare Folge.

Schwere Zeiten für die Teegärten

Für die Teegärten war die Situation äußerst schwierig. Die wertvollen Spring Picks (Frühjahrsernten) machen nach Branchenangaben zwar nur rund ein Viertel der Menge, aber etwa 40 % des Teegeschäfts aus.[2] Schon unter normalen Umständen fällt es vielen Produzenten in Darjeeling schwer, die Gewinnschwelle zu erreichen. In der Himalaya-Region werden im Vergleich zu anderen Anbaugebieten nur kleine Mengen produziert – dafür in besonders hoher Qualität. Die Erlöse reichen jedoch oft nicht aus, um die hohen Kosten zu decken.

Erschwerend kam hinzu, dass bereits 2017 schwere Streiks zu massiven Ernteausfällen führten. Damals legte ein Generalstreik der Gorkhaland-Bewegung, getragen von den nepalischsprachigen Gorkha, die Region ganze 104 Tage lang lahm[3] – mit der Folge, dass unter anderem die komplette Second-Flush-Ernte verloren ging.[4] Ohne diese Verluste hätte die Coronakrise vermutlich besser abgefedert werden können. Viele Teegärten hatten sich 2020 noch nicht vollständig von den Folgen erholt.

Es waren also keine einfachen Zeiten in Darjeeling – weder für die Teegärten noch für die zahlreichen Arbeitskräfte, die auf den Feldern oder in den Fabriken beschäftigt waren.

Darjeeling First Flush

Die Situation der Menschen vor Ort.

Besonders hart traf die Pandemie die ärmsten Menschen. Tagelöhner und Wanderarbeiter sahen ihre Existenz bedroht. Die Angestellten in Darjeeling wurden nach Auskunft unserer Partner glücklicherweise weiterhin bezahlt.

Selbst bei einer Lockerung der Maßnahmen war absehbar, dass sich die Krise durch das gesamte Jahr ziehen würde. Viele der Pflanzen in Darjeeling wuchsen unkontrolliert und waren für die Teeproduktion ungeeignet. Bevor erneut geerntet werden konnte, mussten die Sträucher erst zurückgeschnitten werden. Auch die Sommerernte (Second Flush) drohte daher beeinträchtigt zu werden.

Warum der Verlust der Frühjahrs-Ernte so schlimm ist

Für die meisten Teesorten und Anbaugebiete gilt: Die Frühlingsernte ist die hochwertigste und aromatischste. Besonders die Darjeeling First Flush Tees erzielen die höchsten Preise und sind oft innerhalb kürzester Zeit ausverkauft.

Während der kühlen Wintermonate ruhen die Teepflanzen und sammeln Energie. Sobald es im Frühling wieder wärmer wird, setzen sie all ihre Kraft in das Wachstum neuer Blätter und Knospen. Diese jungen Blätter stecken voller komplexer Aromen – und genau das macht den Frühlingstee so fein und charaktervoll.

Darjeeling First Flush Tee

Unser Ausblick damals

Wir hofften, dass die Teegärten gegen Mitte Mai wieder vollständig öffnen würden. Der berühmte Darjeeling First Flush war in jenem Jahr nur in sehr geringer Menge verfügbar, doch wir hofften, dass zumindest die Sommerpflückung (Second Flush) gute Qualität hervorbringen würde.

Für die Produzenten in Darjeeling blieben die folgenden Monate eine Herausforderung. Die massiven Umsatzeinbrüche erschwerten es, Personal und Betriebskosten in den nächsten Ernteperioden zu stemmen.

Wir konnten damals nicht garantieren, in jenem Jahr hochwertigen First Flush anbieten zu können – wollten aber unser Bestes geben, unseren Kundinnen und Kunden eine wunderbare Alternative bereitzustellen: in gewohnter Friends of Tea Premiumqualität.

Wie sah es in anderen Ländern aus?

In Japan wirkte sich die Krise kaum auf die Teeproduktion aus. Es gab keine Ausgangssperren, und die ohnehin stark maschinell geprägte Teeindustrie konnte nahezu uneingeschränkt weiterarbeiten – gute Nachrichten für Fans von japanischem Grüntee.

Auch China produzierte weitgehend normal. Das Land wurde noch vor der Ernteperiode von der Pandemie getroffen und konnte bis zur Ernte eine weitgehend stabile Produktion sicherstellen.

Taiwan kam zu dieser Zeit ebenfalls vergleichsweise gut durch die Krise, sodass die Produktion der Oolong-Tees nahezu störungsfrei verlief. Ein Problem bestand allerdings im Mangel an Arbeitskräften, da normalerweise Erntehelferinnen aus Vietnam, den Philippinen oder Thailand eingeflogen werden – was damals nur eingeschränkt möglich war.

In Südafrika war die Rooibos-Ernte zu diesem Zeitpunkt bereits abgeschlossen. Da sich das Land auf der Südhalbkugel befindet und dort der Winter nahte, erwarteten wir bei Rooibos und Honeybush keine Engpässe.

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Quellen

  1. ThePrint: First flush gone in lockdown, Bengal and Assam tea industries face Rs 2,100 cr loss (Juni 2020). theprint.in
  2. Outlook India: Darjeeling First-Flush Tea Faces Lockdown Heat, Loss Estimated At Around Rs 150 Crore (April 2020). outlookindia.com
  3. Scroll.in: After 104 days, Gorkha Janmukti Morcha calls off strike in Darjeeling (September 2017). scroll.in
  4. Quartz: Darjeeling’s famous tea industry is in hot water after ethnic conflict wipes out a key harvest (Juli 2017). qz.com

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