Kaum ein Tee wird so oft mit großen Versprechen beworben wie grüner Tee. Wir sehen das kritisch: Grüner Tee ist für uns ein Genussmittel – kein Wundermittel. In diesem Artikel zeigen wir dir, was nachweislich in grünem Tee steckt, wie viel Koffein er enthält und warum du bei Gesundheitsversprechen rund um Grüntee skeptisch sein solltest.

Was steckt in grünem Tee?
Grüner Tee wird aus den Blättern der Teepflanze Camellia sinensis hergestellt. Anders als bei schwarzem Tee werden die Blätter direkt nach der Ernte erhitzt – in Japan meist gedämpft, in China meist in der Pfanne geröstet. Dadurch wird die Oxidation gestoppt, und die Blätter behalten ihre grüne Farbe und ihren frischen Geschmack. Wie das genau funktioniert, erklären wir dir in unserem Artikel zur Herstellung von japanischem Grüntee.
Zu den bekanntesten Inhaltsstoffen gehören:
- Catechine: Sie gehören zu den Polyphenolen und machen einen großen Teil der Inhaltsstoffe des Teeblatts aus. Das bekannteste Catechin ist Epigallocatechingallat (EGCG).[1] Catechine prägen den herben, leicht bitteren Geschmack von grünem Tee mit.
- Koffein: Grüner Tee enthält Koffein – mehr dazu weiter unten.[2]
- Aminosäuren wie L-Theanin: Sie sind wichtig für den typischen Umami-Geschmack, vor allem bei beschatteten Tees wie Gyokuro oder Matcha. Mehr dazu liest du in unserem Artikel Was ist Umami?
Ungesüßt aufgebrühter grüner Tee enthält praktisch keine Kalorien: Laut der Nährwertdatenbank des US-Landwirtschaftsministeriums sind es rund 1 kcal pro 100 ml.[3] Vitamine und Mineralstoffe sind nur in sehr kleinen Mengen enthalten.
Faktencheck: Was ist dran an den Gesundheitsversprechen?
Im Internet liest du häufig, grüner Tee sei ein „Superfood“, helfe beim Abnehmen oder schütze vor allen möglichen Beschwerden. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat eine ganze Reihe solcher Aussagen zu Tee und Grüntee-Catechinen wissenschaftlich geprüft. Ihr Ergebnis: Für keine der geprüften Aussagen wurde ein ursächlicher Zusammenhang ausreichend belegt.[4]
Deshalb gibt es in der EU aktuell keine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe für grünen Tee. Welche Angaben für Lebensmittel erlaubt sind, kannst du im offiziellen EU-Register nachlesen.[5] Wer grünen Tee mit Heilsversprechen bewirbt, bewegt sich also außerhalb dessen, was wissenschaftlich anerkannt und rechtlich zulässig ist.
Ein Grund für die vielen Mythen: Viele Studien sind Beobachtungsstudien. Sie können einen Zusammenhang (Korrelation) zeigen, aber keine Ursache (Kausalität). Wenn Menschen, die viel Grüntee trinken, sich zum Beispiel auch insgesamt anders ernähren oder mehr bewegen, lässt sich nicht sagen, was welchen Effekt hat.

Wie viel Koffein steckt in grünem Tee?
Eine Tasse grüner Tee (200 ml) enthält laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) durchschnittlich etwa 30 mg Koffein, eine Tasse schwarzer Tee etwa 45 mg.[2] Der tatsächliche Gehalt schwankt je nach Sorte, Teemenge, Temperatur und Ziehzeit. Bei Matcha trinkst du das ganze, fein vermahlene Blatt mit – daher ist der Koffeingehalt pro Schale meist höher. Bancha, Kukicha und Hojicha gelten dagegen als eher koffeinarm.
Die EFSA stuft für gesunde Erwachsene bis zu 400 mg Koffein pro Tag und bis zu 200 mg als Einzeldosis als unbedenklich ein. Für Schwangere und Stillende liegt der Wert bei bis zu 200 mg pro Tag.[6] Eine ausführliche Übersicht findest du in unserem Artikel Koffein im grünen Tee.

Worauf du beim Kauf achten kannst
Für die Qualität von grünem Tee ist vor allem entscheidend, wie er angebaut und verarbeitet wurde. Für Pflanzenschutzmittel-Rückstände gelten in der EU gesetzliche Höchstgehalte, die auch für importierten Tee eingehalten werden müssen.[7]
Wir kaufen unsere Tees direkt in Teegärten ein, die ohne chemische Düngemittel und Pflanzenschutzmittel arbeiten, und lassen alle Tees regelmäßig auf Rückstände prüfen. Mehr über unsere Auswahlkriterien erfährst du auf unserer Seite Über uns.
Warum wir keine Heilsversprechen machen
Viele Händler werben mit angeblichen Wirkungen von Tee, weil sich das gut verkauft. Wir halten davon nichts. Wer ein gesundheitliches Problem hat, sollte sich an eine Ärztin oder einen Arzt wenden – nicht an einen Teeshop. Was wir dir versprechen können: Unsere Tees schmecken richtig gut, und wir wissen genau, woher sie kommen.

Zusammenfassung
- Grüner Tee enthält unter anderem Catechine, Koffein und Aminosäuren wie L-Theanin, die seinen Geschmack prägen.
- Ungesüßt hat er praktisch keine Kalorien.
- Für grünen Tee gibt es in der EU keine zugelassenen gesundheitsbezogenen Angaben – die EFSA sah die geprüften Aussagen als nicht ausreichend belegt an.
- Eine Tasse enthält im Schnitt etwa 30 mg Koffein.
- Der beste Grund, grünen Tee zu trinken, ist sein Geschmack.
Lust bekommen? Entdecke unsere grünen Tees aus Japan – zum Beispiel den Kabuse Sencha Superior – und erfahre in unserer Anleitung, wie du grünen Tee richtig zubereitest.
Quellen
- EFSA Panel on Food Additives and Nutrient Sources added to Food (2018): Scientific opinion on the safety of green tea catechins. EFSA Journal 16(4):5239. doi.org
- Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Fragen und Antworten zu Koffein und koffeinhaltigen Lebensmitteln, einschließlich Energy Drinks (Stand 05.01.2026). bfr.bund.de
- U.S. Department of Agriculture: FoodData Central, Eintrag „Beverages, tea, green, brewed, regular“. fdc.nal.usda.gov
- EFSA Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies (2011): Scientific Opinion on the substantiation of health claims related to Camellia sinensis (L.) Kuntze (tea), including catechins in green tea. EFSA Journal 9(4):2055. efsa.onlinelibrary.wiley.com
- Europäische Kommission: EU-Register der nährwert- und gesundheitsbezogenen Angaben. food.ec.europa.eu
- EFSA NDA Panel (2015): Scientific Opinion on the safety of caffeine. EFSA Journal 13(5):4102. doi.org
- Verordnung (EG) Nr. 396/2005 über Höchstgehalte an Pestizidrückständen in oder auf Lebens- und Futtermitteln. eur-lex.europa.eu









