Welche Wasserqualität und -härte sind für den perfekten Teegeschmack notwendig?

September 19, 2022Elisa Fagone
Tee wird in eine Porzellanschale gegossen

Kennst du die Situation? Du hast bei einem Freund einen unserer hochwertigen Tees ausprobiert und beschließt, den Tee nachzukaufen. Du beachtest genau die Zubereitungsanleitung und trotzdem schmeckt der Tee bei deinem Freund anders?


Wie kann das sein? Gleiches Produkt, aber anderer Geschmack? Vielleicht würde man instinktiv denken, dass der Geschmack von der Ernte abhängig ist.


Neben der Ernte, der Teedosierung und der allgemeinen Zubereitung gibt es noch einen weiteren ausschlaggebenden Punkt. Für die Zubereitung von Tee benötigst du natürlich neben viel Leidenschaft und Freude Tee und Wasser. Wasser spielt bei der Teezubereitung eine wichtige Rolle, da der Wassergeschmack Einfluss auf den letztendlichen Teegeschmack hat.

Hartes und weiches Wasser

Die Wasserqualität und -härte deines Trinkwassers hängen von einigen Faktoren ab. Grundsätzlich enthält Wasser viele verschiedene gelöste Stoffe, wie z. B. Calcium, Magnesium und Natrium.


Die Mineralstoffe Calcium und Magnesium spielen hierbei eine besondere Rolle: Ihre gelöste Menge bestimmt die Wasserhärte[1] und beeinflusst auch den Geschmack des Wassers.


Wenn Wasser besonders viel Calcium und Magnesium enthält, spricht man von „hartem“ Wasser. Kommen diese Bestandteile umgekehrt nur in geringeren Mengen vor, wird das Wasser als „mittelhart“ oder „weich“ bezeichnet. Ob das Wasser hart oder weich ist, hängt davon ab, aus welcher Quelle es stammt. Die Bodenbeschaffenheit sowie der geologische Untergrund sind hierbei maßgebend – so erklären sich auch die regionalen Unterschiede des Trinkwassers.


Ob das Wasser aus deinem Wasserhahn hart oder weich ist, kannst du beispielsweise am Geschmack erkennen. Hartes Wasser hat einen stärkeren, hervorstechenderen Geschmack. Der etwas stärkere Geschmack resultiert aus dem hohen Anteil an Kalk im Wasser. Diese Wasserzusammensetzung verhindert jedoch bei der Teezubereitung, dass sich die Aromen vollkommen entfalten können, sodass du aus deinem Tee nicht das bestmögliche Geschmackserlebnis erzielen kannst.


Weiches oder auch mittelhartes Wasser eignet sich hingegen besonders gut für die Teezubereitung. Wasser mit geringeren Mengen an Calcium und Magnesium zeichnet sich durch einen neutralen und leichten Geschmack aus. Diese Wasserbeschaffenheit überlässt die Geschmacksgestaltung komplett den Teearomen, welche sich dadurch wunderbar entfalten können. Somit erzielen wir bei der Teezubereitung durch die neutrale Wassergrundlage einen natürlichen und unverfälschten Teegeschmack.

Wasserhärte testen

Der Härtegrad wird in Deutschland häufig mit der Abkürzung °dH (deutsche Härte) angegeben, offiziell in Millimol Calciumcarbonat pro Liter. Als Hilfestellung für die Zuordnung dienen die gesetzlich festgelegten Härtebereiche[1]:


Weiches Wasser: unter 1,5 mmol/l (ca. 8,4 °dH)
Mittelhartes Wasser: 1,5 – 2,5 mmol/l (ca. 8,4 – 14 °dH)
Hartes Wasser: über 2,5 mmol/l (ca. 14 °dH)


Deutschlandweit unterscheidet sich die Wasserhärte je nach Region deutlich.


Wenn wir also zusätzlich zum Geschmackstest genau ermitteln möchten, welche Wasserhärte in unserem Fall zutreffend ist, gibt es verschiedene Möglichkeiten, um dies herauszufinden.


Zum Beispiel kannst du dich bei deinem lokalen Wasserversorger oder bei den Stadtwerken darüber informieren, wie die Wasserhärte in der entsprechenden Region oder Lokalität ausfällt. Wasserversorger sind verpflichtet, mindestens einmal jährlich über den Härtebereich zu informieren[1] – oft findest du die Angabe auch online auf der Seite des Anbieters.


Der Vorteil liegt darin, dass ohne viel Aufwand eine Auskunft über die entsprechende Wasserhärte erteilt werden kann, da diese Anbieter Tests routiniert durchführen und die Zahlen bereits vorliegen.

Wasserhärte selbst testen

Eine zweite Möglichkeit besteht darin, selbst Tests am Wasser durchzuführen, um die genauen Werte für den eigenen Wasserhaushalt herausfinden zu können. Zu beachten sind hierbei die Anwendungshinweise, welche je nach Anbieter und Testmethode variieren können.


Eine einfache und schnelle Testmethode wird beispielsweise mit Teststreifen durchgeführt, welche auch online zu erwerben sind. Hierbei wird ein Teststreifen kurz in das zu testende Wasser gehalten. Im Anschluss wird das überschüssige Wasser vom Teststreifen abgeschüttelt und die Einwirkzeit abgewartet. Nach der Einwirkzeit hat sich die Farbe des Teststreifens verändert, sodass man diese mit der dazugelegten Schablone vergleichen kann, um die jeweilige Wasserhärte ablesen zu können.

Ergebnisbewertung und Maßnahmen

Nachdem entweder durch die Auskunft des Wasserversorgers oder durch selbst durchgeführte Tests die Wasserhärte bestimmt werden konnte, geht es darum, das Ergebnis zu bewerten und ggf. Maßnahmen zu ergreifen. Was können wir also tun, wenn das Ergebnis zeigt, dass unser Wasser sehr hart ist? Bedeutet das, dass wir nie den perfekten Teegeschmack erreichen werden?

Zum Glück nicht!

Wasser enthärten

Um eine geringe Wasserhärte oder sogar weiches Wasser zu erzielen, bieten sich sogenannte Wasserfilter an. Diese können entweder direkt an den Wasserhahn angeschlossen werden, um weicheres Wasser unmittelbar herstellen zu können, oder in Form von Kannen benutzt werden. Nach dem Befüllen der Kanne wird das Wasser durch den eingesetzten Filter geleitet, sodass das Trinkwasser vor Gebrauch enthärtet wird. Achte dabei auf die Hinweise des Herstellers zum regelmäßigen Kartuschenwechsel.


Eine einfache Alternative für die Teezubereitung ist ein stilles Wasser mit geringem Gehalt an Calcium und Magnesium – die Werte findest du auf dem Etikett. So kannst du ganz leicht ausprobieren, wie dein Tee mit weicherem Wasser schmeckt.

Fazit

Zusammenfassend können wir also sagen, dass dem perfekten Teegeschmack nichts im Weg steht, wenn du bei der Zubereitung ein paar Punkte berücksichtigst. Um das bestmögliche Geschmackserlebnis bei deinem Lieblingstee zu erzielen, ist es also wichtig, neben der Teedosierung und der allgemeinen Zubereitung auch die Wasserqualität und -härte unter die Lupe zu nehmen. So kannst du herausfinden, ob das Wasser für die Zubereitung geeignet ist, indem du dich bei dem jeweiligen Anbieter informierst oder selbst Tests durchführst. Im Anschluss entscheidest du, ob eine Wasserenthärtung notwendig ist und welche Methode sich für dich am besten eignet.

Unabhängig davon, welche Methode du für die Wasserenthärtung anwendest, wirst du bei einem Geschmackstest schnell einen Unterschied merken – besonders bei feinen Tees wie Kabuse Sencha oder Oolong – und deinen Tee umso mehr genießen können!

Viel Spaß bei der Teezubereitung wünscht das Friends of Tea Team!

Quellen

  1. DVGW Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches: Wasserhärte – Härtebereiche für Trinkwasser nach dem Wasch- und Reinigungsmittelgesetz (Stand 2026). dvgw.de

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