In dem letzten Teil unserer Reihe Teehandel 101 haben wir euch in einem Gedankenspiel gezeigt, wie die Reise eines Tees vom Produktionsland zu uns aussieht. Heute wollen wir euch dagegen ein paar Zahlen und Entwicklungen rund um den Teehandel zeigen, um zu verstehen, wie der Markt für Tee aussieht.

Produktion
Der elementarste Bestandteil des Teehandels ist die Produktion. Ohne die hart arbeitenden Menschen in den Teegärten wäre an den Handel mit Tee erst gar nicht zu denken. Besonders wichtig sind die Teemeister, welche neue Sorten kreieren und Herr darüber sind, welche Qualitäten auf dem Markt zu finden sind. In den letzten Jahren ließ sich ein eindeutiger Wandel erkennen. Die Nachfrage nach ökologisch erzeugten Produkten ist, vor allem im Westen, gestiegen. Schon 2019 wurde rund ein Viertel bis knapp ein Drittel der weltweiten Teeproduktion nach freiwilligen Nachhaltigkeitsstandards wie Bio oder Fairtrade erzeugt.[1]
Wenn ein Teegarten in Japan ein EU-Bio Siegel hat, dann meist, um gezielt in Europa einen neuen Absatzkanal zu finden. Die hier zu erzielenden Preise sind oft höher als in der Heimat. Im Zuge der Globalisierung ist Tee also durch und durch ein international gehandeltes Gut geworden, ganz egal, ob es sich um hoch- oder niedrigpreisigen Tee handelt.
Anbaufläche für Tee
Weltweit wird heute deutlich mehr Tee angebaut und produziert als noch vor einigen Jahrzehnten. Der mit Abstand größte Produzent ist China: Knapp die Hälfte des weltweit erzeugten Tees stammt von dort, gefolgt von Indien, Kenia und Sri Lanka.[1]

Chinas Dominanz über den Teemarkt
Auch wenn es um den Teehandel geht, hat das Reich der Mitte die Nase weit vorn. Zum einen muss das Land mit seiner riesigen Bevölkerung seinen Eigenbedarf an Tee decken. Zum anderen ist das Land stark auf Export gepolt. Dazu wird eine riesige Menge Land benötigt. Früh erkannten die Chinesen, dass der Teehandel äußerst gewinnbringend sein kann. Ob in das Vereinigte Königreich, den Nahen Osten oder andere asiatische Länder - überall lassen sich schnell Käufer für das chinesische Traditionsprodukt finden. Im Zuge der Technologisierung und der Digitalisierung setzen immer mehr Teefarmen aber auf Hightech statt auf Tradition. Die Menge soll möglichst kontinuierlich gesteigert werden und das bei einer gleichbleibend hohen und konstanten Qualität.
Aber auch der Gigant China könnte den globalen Bedarf an Tee nicht alleine stemmen. Besonders Indien, Sri Lanka und Kenia produzieren große Mengen Tee. Kenia, China und Indien gehören zudem zu den größten Teeexporteuren der Welt.[1] Im Niedrigpreissegment ist der Wettbewerb enorm – gerade Kenia ist hier der weltweit größte Exporteur von Schwarztee.[2] Hier liegt eine große Gefahr darin, dass Mensch und Natur langfristig Schaden nehmen, weil Aspekte der Nachhaltigkeit missachtet werden. Mehr dazu aber am Ende dieses Beitrages.
Schauen wir uns nun mal die Verteilung der Anbaugebiete an:

Handel
Weltweites Marktvolumen von Tee
Der Teemarkt wächst seit Jahren, und auch der weltweite Verbrauch steigt. Wie lässt sich das erklären? Zum einen ist das Bevölkerungswachstum eine mögliche Erklärung für den ansteigenden Verbrauch. Vor allem aber ist der Teekonsum in China, Indien und anderen aufstrebenden Volkswirtschaften stark gewachsen, angetrieben durch steigende Einkommen.[2]
Wie sieht es mit dem höheren Marktvolumen aus? Mehr Nachfrage bedeutet natürlich auch, dass mehr gehandelt wird. Veränderungen von Angebot und Nachfrage wirken sich auch auf den Preis aus. Schauen wir mal, wie sich der Preis in den letzten Jahren entwickelt hat.
Durchschnittlicher Teepreis
Auch wenn die Preise von Jahr zu Jahr schwanken: Langfristig zeigt der Teepreis nach unten. Denn:
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- Inflationsbereinigt sind die Auktionspreise für Tee seit rund vier Jahrzehnten gesunken.[1]
- 2020 fielen die Auktionspreise auf ein Rekordtief von unter 2 US-Dollar pro Kilo.[1]

Dies kann mehrere Gründe haben. Zum einen steigt die produzierte Menge Tee an. Natürlich geht auch die Nachfrage hoch, es ist allerdings möglich, dass die Steigerung des Angebots die Steigerung der Nachfrage übertrifft. Durch das Überangebot wird der Preis gedrückt. Ein weiterer Grund könnte die hohe Konkurrenz für die Teeproduktion auf dem Weltmarkt sein. Besonders die Anbauregionen China, Indien, Sri Lanka und Kenia liefern sich eine intensive Preisschlacht. Die Masse an billigem Tee ist riesig, es wird stetig versucht, noch günstiger als die Konkurrenz zu sein.
Es bleibt abzuwarten, wie sich der Markt in der Zukunft entwickelt. Der Preisdruck auf die Produzenten dürfte aber hoch bleiben.
Der Teemarkt in Deutschland
Auch in Deutschland ist Tee fester Bestandteil des Alltags. Beim Konsum von Schwarztee und Grüntee kam jede Person 2021 im Schnitt auf rund 28,8 Liter. Bei den Kräuter- und Früchtetees sind die Deutschen noch fleißiger: Hier waren es im Schnitt rund 42,7 Liter pro Kopf.[3]
Import von Tee nach Deutschland
Die Menge Tee, welche jährlich nach Deutschland eingeführt wird, schwankt von Jahr zu Jahr. Nicht alles davon wird auch hier getrunken: Ein Teil wird weiterverarbeitet und wieder aus Deutschland exportiert. Deutschland spielt also auch im Zwischenhandel für Tee eine Rolle.
Während das Preisniveau auf dem Weltmarkt langfristig eher gesunken ist, beobachten wir bei vielen Teetrinkerinnen und Teetrinkern in Deutschland einen anderen Trend: Es wird mehr auf die Qualität geachtet, und viele sind bereit, für Bio- und Fairtrade-Produkte mehr auszugeben.

Ein Blick auf die Zahlen: So sehen wir die Zukunft der Teewelt
Der Handel und die Welt befinden sich konstant im Wandel. So auch der Teehandel. Wir erwarten einen wachsenden Bedarf an hochwertigen und ökologisch angebauten Tees, besonders in Deutschland und Europa.
Für Anbauländer wie Kenia wird der Klimawandel eine immense Herausforderung: Prognosen zufolge könnten die Teeerträge dort bis 2050 um rund ein Viertel sinken.[1] Schon jetzt haben unsere Rooibos-Zulieferer in Südafrika mit Dürre zu kämpfen. Aber auch in China, Indien oder Sri Lanka wird es durch das Klima voraussichtlich schwieriger werden, Qualität und Erntemenge konstant zu halten.[1][2]
Der heftige Preiskampf, welchen sich Länder wie Kenia, Sri Lanka, Indien und China bieten, macht das Bestreben hin zur Nachhaltigkeit nicht einfacher. Umso erfreulicher finden wir es, dass viele Teetrinkerinnen und Teetrinker in Deutschland bewusst zu hochwertigen Tees mit nachvollziehbarer Herkunft greifen.
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Quellen
- International Institute for Sustainable Development (IISD): Global Market Report: Tea Prices and Sustainability (2024). iisd.org
- FAO: Global tea consumption and production driven by robust demand in China and India (2018). fao.org
- Lebensmittelmagazin: Wie viel Liter Tee trinken die Deutschen? (2022, auf Basis des Tee-Reports 2022 des Deutschen Tee & Kräutertee Verbands). lebensmittelmagazin.de









